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4. Station: Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals (RSPCA) auf Papua Neuguinea

Erstmal entschuldige ich mich, dass ich mich so lange nicht mit einem langen Artikel hier auf meinem Blog gemeldet habe und ihr nur in kurzen Posts auf meiner Instagram- und Facebook-Seite über aktuelle Tierthemen informiert wurdet. Ich war die letzten zwei Monate ohne WLAN und da ist das Hochladen von Fotos und Artikeln immer schwierig. Nun möchte ich euch aber endlich von meinem Volontäraufenthalt auf Papua Neuguinea berichten.

Papua Neuguinea – wie das?

Warum Papua Neuguinea?

Urmel, mein Blauzungenskink aus PNG brachte mich in dieses Land.

Nach PNG, wie man hier kurz sagt, hat mich mein Blauzungenskink Urmel gebracht. Ihn habe ich von einem deutschen Tierhändler geschenkt bekommen, bei dem ich damals für meine Doktorarbeit Blutproben gesammelt habe. Er wurde in Papua Neuguinea wildgefangen und reiste den ganzen Weg nach Deutschland, um dort seine Zehen und fast sein Leben zu verlieren. Dank zweistöckigem Terrarium mit verschiedenen Klimazonen und guter Pflege lebt er nun einigermaßen glücklich bei mir, bzw. gerade bei einer Freundin und Kollegin. Da es so gut wie keine Literatur über neuguineische Blauzungenskinke gibt, wollte ich sehen, woher er kommt und in was für Vegetationszonen er zu finden ist. Außerdem reizt mich an einem neuen Land immer, wenn es noch relativ unentdeckt vom Tourismus ist. Zwei Gründe also, Papua Neuguinea auf meiner Reise zu besuchen.

Wie findet man eine Volontärstelle auf PNG?

Also habe ich, bei den Vorbereitungen zu meinem Trip for animals, nach Volontärmöglichkeiten auf PNG gesucht und tatsächlich sofort die einzige in diesem Land existierende Tierklinik gefunden. Schon auf der Homepage boten sie Volontären die Möglichkeit an zu kommen. Die problemlose und freundliche Emailkorrespondenz mit der Managerin festigte dann meinen Plan.
Zwei Monate sollte ich also auf PNG in der RSPCA Tierklinik mit angeschlossenem Tierheim rspca bild verbringen.

RSPCA Allgemein

Was verbirgt sich hinter RSPCA?

Die Royal Society for Prevention of Cruelty to Animals ist die größte Tierschutzorganisation der Welt. Sie wird ausschließlich durch Spenden finanziert und steht unter der königlichen Schirmherrschaft Englands. Meist sind es Tierheime, die durch Tierschützer gegründet und durch die RSPCA unterstützt werden. Hierbei ist vor allem der Aufbau, die Ausstattung, die Anfangszeit und Medikamente das, was von der Organisation gestiftet wird. Spenden müssen danach zum erfolgreichen Bestehen der Einrichtung beitragen.

RSPCA auf PNG

Logo von RSPCA auf PNG mit dem Cuscus, einem endemischen Tier

Gerne nennen sich die RSPCA Mitarbeiter auf PNG selber Really Special People who Care for Animals.
Hier auf PNG wurde die Tierklinik 1981 gegründet. 2003 übernahm die RSPCA das Management und baute sie zu dem aus, was sie heute ist.

Neue Klinikräume warten nur noch auf Einzugsgenehmigung. Und das schon seit fast 1Jahr!

Seit einem Jahr steht ein neues Klinikgebäude auf dem Gelände, in das erst eingezogen werden darf wenn eine offizielle Erlaubnis da ist. Und die lässt auf sich warten…
Und so wird noch im alten Gebäude eingeengt gearbeitet.

Operations- und Röntgenraum
Katzenzimmer
Hundekäfiganlage in der Klinik

Es gibt einen Behandlungsraum, eine Krankenstation, 2 OP-Räume mit Klimaanlage (davon ist einer auch der Röntgenraum), eine Station für Tierheimkatzen, ein Zimmer für Urlaubsbetreuungen und eine Käfiganlage für große Hunde, oder Tierheimhunde. Vervollständigt wird alles durch den Empfangsbereich mit Shop und das Büro.

Die Vision und die Mission

Die große Vision von RSPCA in PNG ist ein genereller respektvoller Umgang mit den Tieren.
Die Mission zum Erreichen dieses Ziels ist einmal das Angebot an medizinischer Versorgung mit menschlichem Standard, was herausragend zum Tierwohl beiträgt. Weiterhin gibt RSPCA den Tieren eine Stimme und spricht sich gegen Tierquälerei aus.

Welpe durch Nachbarn mit Machete verletzt

Und dann wird versucht durch Aufklärung der Bevölkerung ein Umdenken herbeizuführen. Um all diese Schritte erfolgreich gehen zu können auf dem Weg, zum erreichen ihrer Vision, tut die RSPCA alles, um die finanziellen und fachlichen Ressourcen sicherzustellen.

Klinik der RSPCA

Da die RSPCA die einzige Klinik auf PNG ist, sind dementsprechend viele Patientenbesitzer täglich mit den unterschiedlichsten Tieren da.

Dr. Julius bei der Behandlung von Schweinen während eines Hausbesuchs
Ziege als Patient zum Kaiserschnitt
Das Team

17 Mitarbeiter kümmern sich um die Tiere und das Management der Klinik. Bis auf drei (die australische Managerin, die kanadische Klinikleitung und der philippinische Tierarzt) sind alle locals, wobei fachfremde Leute als Tierarzthelfer arbeiten, weil es dafür in PNG keine Ausbildung gibt. Genauso wenig wie für Tierärzte.

Volontär bei RSPCA

Arbeit im Tierheim

environmental enrichment für Tierheimtiere

Ich war als Tierarztvolontärin in Port Moresby, um dort 2 Monate in der Klinik und im Tierheim zu helfen. Die Hilfe wurde gerne angenommen, auch wenn ich fachfremd aus dem Reptilienbereich komme. Es gibt in einer Tierschutzeinrichtung für Jedermanns Fähigkeiten etwas zu tun. Zu Beginn inspizierte ich erst einmal die gesamte Anlage. Ich sollte für mehr Ordnung, Organisation und environmental enrichment für die Hunde sorgen. Schnell fand ich kostenlose Möglichkeiten, den Tierheiminsassen das Leben zu bereichern. Kartons von Müsli, Klorollen, oder leere Milchflaschen mit Futter gefüllt, sind hervorragende Spielzeuge und Kong-Ersatz im Käfig.

Cooper und Mimi nutzen ihre gemeinsame Zeit im Käfig
Pius, der Tierpfleger nimmt sich Zeit zum Kuscheln
Spielgruppen auf Auslaufflächen sind eine wunderbare Möglichkeit für die Hunde ihre Energie zu erschöpfen und Sozialleben zu entwickeln

Junge Hunde sollten tagsüber zusammen im Käfig sein, um spielen und ein Sozialleben genießen zu können. Außerdem ließ ich die gleichaltrigen Hunde in dem kleinen Garten der Klinik miteinander spielen. Auch erstellte ich Spielgruppen zwischen den Käfignachbarn im Tierheim, um ihnen auf der Freifläche gemeinsamen Auslauf bieten zu können.

Welpenpflege
Die meisten Welpen leiden unter Ekto- und Endoparasitenbefall: ein Flohbad, Wurmbehandlung und Impfungen sind die generellen Eingangsbehandlungen bei Neuzugängen

Im Laufe der Zeit kamen junge Neuzugänge, deren Pflege ich übernahm, um den Mitarbeitern in der Klinik zu zeigen, was Motivation, Love-Tender-and-Care und medikamentöse Behandlung bei augenscheinlich hoffnungslosen Fällen bewirken kann. Mit Stolz kann ich sagen, dass während meiner Gegenwart von 18 ankommenden Welpen nur 1 verstarb. Natürlich bedeutet das einen Haufen an Arbeit, wobei auch das Team realisierte, dass weiteres Pflegepersonal dringend nötig ist, um sich fachgerecht um die ganz Kleinen zu kümmern.

Vorher: Rolling Stone und Nirvana mit Milbenbefall
Nachher: ein Monat später haben sich Rolling Stone und Nirvana zu putzmunteren kleinen Hunden entwickelt

Mein Welpenrudel wurde täglich in den Garten geführt, wo sie ihre wilde ausgelassene Zeit miteinander verbringen konnten. Eine ältere Hündin mit Namen Sonny, war die Nanny, erzog und spielte mit den Welpen. Ich hoffe natürlich, dass dieser Tagesplan für die Welpen und das Zusammenführen der Tierheimhunde in Spielgruppen erhalten bleibt, denn für jeden Hund, egal welchen Alters ist ein Sozialleben unter Artgenossen extrem wichtig.

Arbeit in der Tierklinik

Neben der Arbeit auf Station und in der Käfiganlage, assistierte ich dem Tierarzt bei allen möglichen Operationen, bereitete Tiere für die Narkose vor und überwachte diese. Da RSPCA in PNG auch eine Tierklinik ist, ist der Standard dementsprechend hoch.

Tierarzthelfer Suanie und Samson helfen bei der Vorbereitung und Anästhesie

So bekam jeder Patient für die Anästhesie einen intravenösen Katheter geschoben, wurde intubiert und das OP-Feld hygienisch vorbereitet. Julius, der philippinische Tierarzt ist ein sehr guter Operateur, von dem ich während Kastrationen, Amputationen, Entfernungen von Tumoren und weiteren Eingriffen viel lernen konnte.

Mehrere Kastrationen täglich waren Teil der Klinikarbeit

Als eine junge australische Tierärztin ab der dritten Woche vormittags immer vorbei kam, um zu Volontären, Taten wir uns zusammen und kastrierten fast alle Insassen des Tierheims. Jedes Tier, welches adoptiert wird, verlässt das Heim nur kastriert. Da aber der einzige Tierarzt der Klinik kaum Zeit hat, übernahmen Bronte und ich gerne diese Bestandsarbeit. Für uns war es eine perfekte Übung und ich freue mich, nun über die Fähigkeit eine Hündin selbständig Kastrieren zu können!

Leben in Port Moresby

Leben mit RSPCA

Meine Unterkunft bei RSPCA. Die LED-Lichterkette, die immer dabei ist, hat mir schon viele Unterkünfte gemütlich dekoriert

Untergebracht war ich auf dem Gelände der Klinik. Ich durfte ein freies Zimmer in der Wohnung über der Klinik beziehen, in der auch Julius wohnte. Wir kamen gut zurecht und entwickelten ein sehr angenehmes WG-Leben. Die Wohnung war in gutem Zustand, die Küche gut ausgestattet und mein Zimmer gemütlich und großzügig. Paula, unsere Reinemachfrau putzte sogar für uns und wusch die Wäsche. Der einzige Nachteil an der Wohnung war das nicht vorhandene WLAN, was offenbar in PNG ein generelles Problem ist, da sehr teuer und unzuverlässig. Der kurze Arbeitsweg und die Nähe zu den Patienten und Hunden in der Klinik war für mich ein Vorteil, da ich auch Freizeit mit ihnen verbringen konnte. Für Julius bedeutete das aber, dass er so gut wie nie Freizeit hatte.

Sicherheit und Leben in Port Moresby (POM)

Die Wohnung war also sehr angenehm, dennoch fällt einem die Decke irgendwann auf den Kopf, wenn man keine Erlaubnis hat, sie zu verlassen. Aufgrund der schlechten Sicherheitslage in Port Moresby wurde ich gebeten, das Gelände nicht alleine zu verlassen und die Gegend zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erkunden. Zu häufig werden Frauen entführt, vergewaltigt, bestohlen,… Darauf hatte ich natürlich keine Lust, aber ich hatte auch keine Lust immer nur in der Klinik zu hocken. Ich konnte aber auch schlecht Julius die ganze Zeit nerven und ihn bitten mich irgendwo hin zu fahren. Natürlich nahm er mich zum Einkaufen in die Mall mit, aber auch diese Mall wird auf Dauer eintönig. Also machte ich mich daran Kontakt zu anderen Expats (weiße Ausländer, die hier in PNG arbeiten) zu knüpfen. Dabei halfen mir die sozialen Medien sehr! Ich wurde Mitglied in diversen Facebook-Gruppen und fand schon bald die Bushwalkers, die jeden zweiten Samstag hinaus fahren, um zu wandern. Genau das Richtige für mich!

während den Bushwalks lernte ich tolle Leute kennen

Hierbei lernte ich nicht nur ein kleines bisschen die Gegend kennen, sondern auch viele Leute, mit denen ich mich teilweise eng anfreundete. Esther, aus der deutschen Schweiz, wurde sogar mein Travelbuddy während eines Kurztrips in den Busch. Michael, aus Australien, wohnte ganz in der Nähe von RSPCA, hatte 24h einen Fahrer zur Hand und bot mir Mitfahrgelegenheiten an. Somit war ich in Grenzen befreit von meinem kleinen Gefängnis!

Sicherheit durch Gitter vor den Fenstern

Während anderen Gelegenheiten lernte ich weitere Expats, unter anderem aus Frankreich kennen und schnell entwickelte sich eine Freundschaft, um Aktivitäten gemeinsam zu machen. Ich war meist diejenige, die die Events entdeckte, da ich einen monatlichen Newsletter zugesendet bekam und Augen und Ohren offen hielt, was am Wochenende so abging in POM. Für Ablenkung neben der Klinikarbeit war also gesorgt!

Leben als Expat in POM

Fahren im Konvoi, oder mit Eskort ist ganz normal hier in POM

Ich konnte mich aber nur schwerlich daran gewöhnen, nie alleine im Auto zu sitzen, immer einen Fahrer zu haben, der auf einen wartet, im Konvoi zu fahren, abends ein, mit bewaffneten Sicherheitsbeamten besetztes Auto hinter sich fahren zu haben, sogar während Wanderungen eskortiert zu werden, den Abend um 22:30 zu beenden (die Freunde, die bei dem französischen Unternehmen Total arbeiteten, mussten um diese Uhrzeit aus Sicherheitsgründen zu Hause sein), nicht wirklich am öffentlichen Leben auf der Straße teilnehmen zu können,

Craftmarket auf einem abgesicherten Hotelgelände

nur über Märkte in umzäunten und abgesicherten Bereichen streifen zu können, meine Einkäufe weit im Voraus zu planen, weil ich nicht wusste, wann Julius das nächste mal einkaufen fuhr, selbst in der Mall von einer einheimischen Frau darauf aufmerksam gemacht zu werden, meine Einkaufstüten fest zu verknoten, damit nichts gestohlen wird, dass, wenn ich irgendwo wartete, sofort ein Sicherheitsbeamter in meine Nähe schlenderte, während Autofahrten das Handy nicht zu benutzen, und wenn doch, dann das Fenster zu schließen – schlussendlich: meine Freiheit zu verlieren, obwohl ich nichts verbrochen hatte.

Expats wohnen in POM in ihrer eigenen kleinen Welt, in ihrem goldenen Käfig. Die, von den ausländischen Firmen gebotenen Unterkünfte sind meist sehr luxuriös, eine Putzfrau und Nanny immer zu gegen, und ein Pool, Gym, andere Sportmöglichkeiten, manchmal sogar ein kleiner Laden in der Umzäunten Wohnanlage. Das verlassen, oder betreten des Geländes wird streng von Sicherheitsbeamten überwacht und Besuch muss angemeldet werden. Ein Vermischen mit der lokalen Bevölkerung findet im Supermarkt, auf Kunsthandwerkmärkten, oder auf der Arbeit statt. Aber auch unter der lokalen Bevölkerung gibt es krasse Parallelwelten.

Die Menschen, die ich vor dem Alkoholgeschäft beobachten konnten unterschieden sich von denen, die ich im Nachtclub gesehen habe

Ganz deutlich wurde dies, als ich mal in einen Nachtclub ging und all die fein herausgeputzten Neuguineaner sah, die sich so komplett von den Menschen auf der staubigen Straße vor dem Bierladen gegenüber der RSPCA-Klinik unterschieden, die ich von meinem Fenster aus beobachten konnte.

Sicher sind all die schlimmen Geschichten wahr und ich habe auch ein paar Leute getroffen, denen schon direkt was passiert ist (Messer an die Kehle, …), aber ich habe noch mehr Menschen kennen gelernt, denen noch nie etwas passiert ist und die sich auch, ohne Regelungen von der Firma zu bekommen, direkt unter den locals aufhalten.

Ich habe auch, Gott sei Dank, keine schlechten Erlebnisse zu berichten, kann aber dennoch das Land nur bedingt weiter empfehlen. Reisen ist sehr teuer und schwierig für normale Touristen, oder Backpacker. Dazu aber mehr in einem weiteren Artikel.