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Perlen, Juwelen aus dem Meer

Während meiner Reise bin ich immer daran interessiert, Geschichten mit Tieren erzählen zu können. Auf den Philippinen schon und nun auch hier in Australien, sind Perlen, bzw. Perlfarmen ein großes Thema.

Da Perlenschmuck außerhalb meines Budgets und Geschmacks liegt, habe ich mich nie intensiver mit dem tierischen Produkt „Perle“ beschäftigt. Als ich aber eine Annonce über die Schmuckwerkstatt Australian Pearl Divers and Opal cutters sah, wuchs in mir die Neugier: was hat es eigentlich mit diesen Juwelen aus dem Meer auf sich? Wie sieht die Produktion der Perlen aus (denn dass sie nicht mehr ausschließlich durch freitauchende Eingeborene gefunden werden, war auch mir klar)? Haben die Perlfarmen einen negativen Einfluss auf die Umwelt?

Mein Besuch bei Australian pearl divers

Also besuchte ich diesen Juwelier, um Antworten auf meine Fragen zu bekommen. Es stellte sich heraus, dass mir die Mitarbeiterin nicht detailliert über die Zucht berichten konnte, da sie Schmuckdesignerin war und der Laden die Perlen aus China, dem Südpazifik und Australien kaufte. Je nach Wunsch der Kunden werden dann Ringe, Ketten, Ohrringe etc. designt und gefertigt. Ich bekam einige dieser Schmuckstücke zu Gesicht und konnte mir Werkbänke ansehen. Ein paar meiner Fragen konnten mit Hilfe einer anderen Mitarbeiterin beantwortet werden. Gleichzeitig taten sich aber so viele andere auf. Das Thema faszinierte mich immer mehr und mehr. Nicht zuletzt weil ich mit Anschauungsmaterialien und Schaukästen erfuhr, dass es nicht nur Salzwasser- sondern auch Süßwasserperlen gibt, dass es nicht nur weiße, sondern auch goldene, auberginefarbene, grüne und schwarze Perlen gibt, dass das Implantieren eines Germinationskerns in eine Perlmuschel einer Operation gleich kommt, …

So setzte ich mir also im Hostel die Kopfhörer auf und sah mir ein YouTube Video nach dem anderen über Perlfarmen, die Implantation und die Ernte an.

Mein neu gesammeltes Wissen über dieses Tierprodukt möchte ich heute mit euch teilen.

Wie entsteht eine Perle?

Eine Perle entsteht, wenn ein Fremdkörper (z.B. ein Parasit) in die Muschel gelangt und äußere Zellen in das Innere der Muschel verschleppt werden. Das Tier ummantelt diesen Eindringling aus Lagen von Perlmutt, also Calciumcarbonat und Proteine. In der Natur findet man nur extrem selten eine Perle in einer Muschel. Darum waren und sind natürliche Perlen kaum erschwinglich. Bevor Perlen in Zuchtfarmen produziert wurden, konnten sich nur adlige Personen Perlenschmuck leisten. Mittlerweile sind fast alle Perlenprodukte aus Zuchtperlen.

Implantation eines Germinationskeimes

Der Weg eine Zuchtperle zu erhalten, ist aber nicht einfach und schnell. Einer ausreichend großen, also ca. 3 Jahre alten Perlmuschel, muss ein Implantat eingepflanzt werden. Dazu wird sie aufgehebelt und der Fremdkörper, samt Epithelzellen einer anderen Muschel an die richtige Stelle gepflanzt.

Perlmuscheln links: Salzwasser, rechts: Süßwasser

Bei Süßwassermuscheln sind alle Mantelzellen zur Perlmuttproduktion befähigt, weswegen dort viele Fremdkörper gleichzeitig eingesetzt werden können. Die Salzwasserperlen entstehen in den Gonaden der Muschel. Es kann also nur eine einzige Perle gebildet werden. Damit der Perlenfarmer nicht Jahrzehnte auf eine ausreichend große Perle warten muss, die dann am Ende noch nicht mal rund ist, wird eine, schon einige Millimeter große, perfekt runde Kugel eingesetzt, die dann nur noch ein paar Lagen schimmerndes Perlmutt braucht.

Pflege der Muscheln

Die bestückten Perlmuscheln werden in Gitterkörben ins Meer gehängt. Regelmäßig werden die Muscheln auf ihre Vitalität hin untersucht, von außen gereinigt und abgestorbene entfernt. Nach ca. 12 Monaten (Süßwasser) bzw. 2-3 Jahren (Salzwasser) hat die Muschel die eingesetzte Kugel mit einigen Perlmuttlagen ummantelt und die fertigen Perlen können geerntet werden.

Ernte

Nur ein kleiner Teil der Muscheln überlebt den Eingriff der Implantation, bzw. behält den Fremdkörper in sich. Bei der Ernte unterscheidet man zwischen der ersten und der zweiten Ernte. Einige Farmen entfernen die Perlen durch Operation und implantieren gleich wieder einen neuen Fremdkörper. Andere Farmen knacken die Muscheln schon bei der ersten Ernte. Die Perlen der ersten Ernte gelten als qualitativ hochwertiger, als die der zweiten Ernte, da die Muschel noch jung genug für die Bildung von hochwertigem Perlmutt ist.
Wird die Muschel bei der Ernte geknackt, dann werden die Perlen von dem Muschelfleisch und das Muschelfleisch von den Schalen getrennt. Alles wird verwertet: Fleisch ist Lebensmittel, Schalen werden zu Dünger verarbeitet und die Perlen werden beurteilt und gehandelt. Ist eine Perle nicht rund genug, oder anderweitig wertlos, wird sie zerschreddert und in Lotionen verwendet.

Obwohl die Perlenzucht viele Perlen für den Schmuckmarkt produziert, ist die Erfolgsrate bei der Produktion dennoch erstaunlich schlecht. So produziert nur etwa die Hälfte der implantierten Muscheln überhaupt Perlen und davon sind nur 10% perfekt genug, um als Juwel bezeichnet zu werden.

Beurteilung von Perlen

Um den Preis der Perle festsetzen zu können, wird jede einzelne genauestens von Spezialisten untersucht und auf Form, Größe, Glanz „Lüster“, Oberflächenqualität, Farbe und Stärke des Perlmutts untersucht.
Für Ohrringe sind zwei gleich aussehende Perlen nötig, für Ketten sogar 20-30 oder mehr. Da es viele Farbschläge gibt, müssen also alle gleichfarbigen kombiniert werden.

Farben

Perlen werden unter anderem nach Farbe, Form und Glanz beurteilt

Die Farbe wird primär bestimmt durch die Art der Muschel. So kommen im Südpazifik Muscheln vor, die dunkle, auf den Philippinen, welche die goldene Perlen produzieren. Aber auch unter diesen gibt es Farbvarianten von Weiß, Creme, bis Gold, von Grün, Aubergine, bis Schwarz. Je nach Gleichmäßigkeit des Nahrungsangebotes und der Umweltbeschaffenheit ist die Farbe einheitlich, oder gefleckt
Wie wird aus einer Perle ein Schmuckstück
Für die meisten Schmuckstücke muss die Perle durchbohrt werden, was von erfahrenen und talentierten Menschen gemacht wird. Sollte an falscher Stelle, mit zu hohem Druck, oder zu großer Geschwindigkeit gebohrt werden, kann die Perle zerbrechen. Ansonsten ist eine Perle sehr widerstandsfähig und verliert auch über Jahrhunderte hinweg nicht ihren besonderen Glanz.
Dies trägt wahrscheinlich auch dazu bei, warum wir die Perle als Symbol der Unschuld und Reinheit ansehen.

Perlfarmen und Umwelt

Da die Muscheln, die zur Perlenproduktion befähigt sind, sehr empfindlich in Bezug auf Wasserqualität sind, haben viele Farmen neben ihrer Perlenproduktion auch Umweltschutzprojekte laufen, Biologen angestellt und das Dynamitfischen komplett verbannt.

Zeuge von diesem positiven Einfluss konnte ich persönlich auf den Philippinen, genauer auf Palawan vor Port Barton werden. Dort befindet sich eine staatliche Perlfarm, weswegen die Gewässer von der Polizei geschützt werden, damit dort kein Dynamit zum Fischen eingesetzt wird. Die Explosion würde die Lage der Perle in der Muschel verändern, was dazu führt, dass sie nicht mehr komplett rund wird. So lässt sich vor Port Barton in den gesündesten und artenreichsten Korallenriffen direkt unter der Oberfläche schnorcheln!

Dank der Perlenfarmen, müssen auch nun keine Perlentaucher mehr, unter Einsatz ihres Lebens, nach Perlmuscheln tauchen.

Aber bedenkt dennoch:

Die Perle ist ein Produkt, für deren Produktion Tiere sterben müssen, weswegen sie mit Ehrfurcht getragen werden sollte.