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Nathan vom Ciliwung Reptile Center

Den 19-jährigen aus Jakarta stammenden Nathan, konnten Ecki und ich in seinem Ciliwung Reptile Center Nähe Bogor besuchen und interviewen.

Vom Reptilienfänger zu ihrem Schützer

Der Reptilienfanatiker verdiente sich in seiner Schulzeit etwas Geld dazu, indem er in die Wälder ging, um Schlangen zu fangen und diese als Haustiere zu verkaufen. Seine Passion für diese Tiere und sein angehäuftes Wissen, halfen ihm beim Auffinden, Umgang und Identifizieren. Immer mehr ärgerte ihn aber, dass die Tiere bei den Haltern zusammengerollt in Plastikboxen ihr zukünftiges Leben fristen müssen. So nämlich werden, die überwiegend als Statussymbol gehaltenen Tiere meist ge“pflegt“.

Die Gründung des Ciliwung Reptile Center

Diese Einstellung zu Reptilien wollte er, nicht nur nicht mehr unterstützen, sondern sie sogar versuchen zu verändern. Einigen Freunden und “Kollegen“ ging es ähnlich, weswegen Nathan sie als seine Volontärgruppe um sich scharrte und mit ihnen ein Aufklärungszentrum für Reptilien und deren Habitate errichtete.

Nathan, Richard und ich

Auf der Terrasse des Hauses der Eltern seines Freundes und Mitgründer Richard, entstand mit vereinten Kräften das Ciliwung Reptile Center (CRC).

Richards Mutter, die keine Probleme mit Giftschlangenhandling hat

Diese Eltern verdienen übrigens größte Anerkennung, denn sie akzeptieren nicht nur die Schlangen, sie versorgen sie sogar, bauen Einrichtungen und bewirten fremde Menschen in ihrem Haus!

Die Ausstellung

Ciliwung Reptile Center

Auf der Terrasse befindet sich die Hauptausstellung. Die Wände sind mit einer schönen Echtholzverkleidung versehen, samt fensterartigen Öffnungen für die Terrarien und Aquarien.

Die Erklärungstafeln sind leicht verständlich

Daneben hängen laminierte anschauliche Grafiken und Erklärungen in Indonesisch und Englisch.

Teich für Wasserschildkröten

Den Eingang bildet ein großes Aquarium für invasive Fischarten und ein kleiner Teich für einheimische Wasserschildkröten. Eine Ecke der Terrasse ist zu einer gemütlichen Sitzecke gestaltet worden, wo man wunderbar bei Kaffee und Eistee fachsimpeln, oder ein Interview führen kann.

Die erklärten Themen

In einer Handvoll Terrarien werden ausgesuchte, einheimische Schlangen gehalten, um mit deren Hilfe verschiedene Phänomene zu beschreiben.

Der Unterschied zwischen giftig und giftig

So gibt es eine Wand, wo mit Hilfe einer Speikobra und einer Rothals-Wassernatter (Rhabdophis subminiatus) der Unterschied zwischen engl: poisonous und venomous erklärt wird (auf Deutsch beides giftig; nur bei poisonous besteht die Gefahr bei Verzehr, oder Kontakt; bei venomous durch Bisse).

Die Rothals-Wassernatter und ihre Beute

Direkt neben der Rothals-Wassernatter werden Kröten gehalten, ihre bevorzugte Nahrung. Nur durch den Verzehr der Kröten erhält die Schlange ihre Giftigkeit. Mir persönlich gefällt diese Darstellung am Besten!

Die Rothals-Wassernatter ist giftig und giftig. Sie hat Nackendrüsen, die ein giftiges Sekret enthalten, welches bei Angriffen den Feind abwehren soll. Und zusätzlich hat sie kleine Giftzähne im Maul, mit denen sie durch Kaubewegungen das Gift in die Beute bringt.

Ecki mit weißer Speikobra

Die Speikobra injiziert ihr Gift mit ihren Giftzähnen während eines Biss in ihr Opfer. Sie kann es aber auch durch kräftiges Ausatmen gezielt dem Angreifer ins Gesicht sprühen.

Giftgrün = Lebensgefährlich?

Direkt daneben werden in zwei übereinander angebrachten Terrarien, zwei verschiedene, grüne Schlangen gehalten. Die Weißlippen-Bambusotter (Trimeresurus albolabris) ist zwar giftig, aber selten lebensgefährlich. Und die Grüne Peitschennatter (Ahaetulla prasina) injiziert ihr Gift erst durch intensive Kaubewegungen in ihre Beute. Dies soll die landläufige Meinung revidieren, dass alle grünen Schlangen lebensgefährlich seien und totgeschlagen werden müssen.

Invasive Arten und ihre Folgen

Rotwangenschmuckschildkröten verdrängen einheimische Arten

Neben einheimischen Reptilien, gibt es auch noch einige eingeschleppte Fischarten im Chiliwung Reptile Center, womit auf die Problematik der invasiven Tiere und deren Einfluss auf das Ökosystem hingewiesen wird. Zwei einheimische Wasserschildkröten stehen beispielhaft für die Verdrängung nativer Tiere, durch hier fremde ausgesetzte Rotwangenschmuckschildkröten.

Vermüllung der Habitate

Müllregal mit Ecki

In einem Eckregal drängt sich Müll, welcher aus dem Ciliwung Fluss gesammelt wurde. Um diesen Fluss, Habitat für viele Reptilien-, Fisch- und Vogelarten, dreht sich hier die meiste Aufklärungsarbeit. Zusammen mit The Bogor Ciliwung Community, einer Gruppe Volontäre, die sich jeden Samstag zum Ramma-damma am Ciliwung Fluss treffen, werden auf diversen Veranstaltungen Informationsstände aufgebaut, um die Einheimischen über die Müllproblematik aufzuklären und ein Bewusstsein für Umweltschutz zu schaffen.

Notfälle mit Schlangen

Auch eine Notfallnummer bietet das CRC, wo Kontakte mit Schlangen gemeldet und Hilfe angefordert werden kann.

Quarantänestation des CRC für Riesenschlangen

In der, in einem Nebengebäude untergebrachten Quarantänestation werden diese Fänge gehalten und versorgt, bis ein geeigneter Wiederauswilderungsplatz gefunden und eine Transportmöglichkeit organisiert ist. Bei einem 5 Meter langen Netzpython kann das schon mal schwierig werden, wenn Motorbikes den Fuhrpark ausmachen.

Netzpython, wurde als Haustier in kleiner Box gehalten…
…nachdem Nathan sie von dort weggeholt hat, wohnt sie nun in einem großen Gehege

Nathans herpetologisches Engagement

1. Tourguide

Neben dem CRC, das komplett ohne Profit betrieben wird, betätigt sich Nathan als Tourguide für herpetologische Führungen (www.indonesiaherping.com). Dazu hat er ein Haus neben CRC zu einem Gästehaus mit Basisausstattung umgebaut, in dem seine Kunden wohnen können. Nicht nur geht es nachts in die umliegenden Wälder auf Reptilienjagd (als Trophäe kann man aber einzig und alleine Fotos mit nach Hause nehmen), sondern er hat auch im Angebot, die Komodoinseln, Heimat der Riesenechsen, auf ganz individuelle Weise kennen zu lernen.

2. Herpetologischer Spezialist

Seine Fähigkeiten Reptilien aufzuspüren und vor die Linse zu bringen, hat National Geographic veranlasst ihn vor kurzem als herpetologischen Spezialisten zu engagieren.

3. Autor

Nathans Buch kaufte ich mir natürlich gleich: es ist sehr anschaulich aufgemacht

Mit tollen Aufnahmen und Zeichnungen versehen, hat Nathan kürzlich sein erstes Buch über Schlangen in Jakartas Umgebung herausgebracht. Es ist Zweisprachig und sehr verständlich und unterhaltsam aufgebaut.

4. Redner und Lehrer

Nathan ist in Indonesien mittlerweile ein recht bekannter Mann.

Erste Hilfe bei Schlangenbiss

Er tourt mit einer Ärztin der WHO durch Krankenhäuser und hält Vorträge über Giftschlangenbisse. Mit seinem Dogma „Umweltschutz durch Aufklärung“ hält er auf Konferenzen informative Reden, gibt unterhaltsame Kurse an Universitäten und Umweltschutzeinrichtungen (er war zum Beispiel auch schon im IAR Center)

Nathan erklärt wie die Zunge einer Schlange aussieht und hat ein Demonstrationstier dabei

und wirkt er auf Reptilienfänger ein, sich auf Männchen zu konzentrieren und sowohl Jungtiere, als auch trächtige Weibchen in Ruhe zu lassen. Dabei hilft ihm sein eigener Hintergrund als Reptilienfänger.

5. Volontärgruppenleiter

Nathan mit seiner neuen Voluntärgruppe, für die ich auch einen Vortrag über Reptilienhaltung und -krankheiten halten durfte

Die Auswahl seiner Volontäre gestaltet er erstaunlich effizient und überlegt. So gibt es nicht nur Reptilienfanatiker, sondern auch Filmemacher, Fotografen, Graphiker, Marketingstrategen und Lehrer unter ihnen, die mit ihrem Spezialgebiet zum Bestehen, Auf- und Ausbau dieses Natur- und Reptilienschutzzentrums beitragen.

6. Student

Aber all diese vorhergenannten Aufgaben, sind Nebentätigkeiten. Hauptsächlich studiert er. Und was studiert ein reptilienverrückter Kerl wie Nathan? Richtig, Herpetologie. Er hat ein Stipendium bekommen, um sich in Wales auch akademisch zu spezialisieren. Seit 2 Jahren ist er also hauptsächlich in Europa.

7. Überlebender

Nathan wurde als 14-jähriger von einer Speikobra gebissen und musste ins Krankenhaus, wo er nur durch die Gabe eines Antiserums überlebte. Die Narbe an seinem Finger erinnert an dieses Unglück, an dem, laut seiner Aussage, sein falsches Verhalten gegenüber dem Tier schuld war.

Unsere Unterstützung

Nathan beeindruckte uns durch sein Engagement

Weil Ecki und ich wirklich begeistert sind, was dieser junge Mann mit all seinen Helfern auf die Beine gestellt hat und wie engagiert sie sich für den Schutz der Reptilien und ihrer Habitate einsetzen, wollen wir auch ihn und CRC mit den Eckiverkäufen unterstützen.

Die erste Spende konnten wir persönlich übergeben!

Die erste Summe konnten wir schon persönlich übergeben und so den Applaus für all die Eckiadoptanten einheimsen.

  Den geben wir also hiermit weiter!