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Beschlagnahmter Plumplori: Käfig anstatt Natur

3. Station: International animal rescue (IAR) center für Plumploris und Makaken

Ecki und ich sind nun in Indonesien angekommen. Genauer auf der Insel Java und noch genauer in der Nähe von Bogor am Fuße des Berges Salak.

Center am Fusse des Salak Mountain

Hier gibt es eine Auffangstation für beschlagnahmte, oder unerwünschte Plumploris und Makaken. Über beiden Tierarten könnt ihr in zukünftigen Posts mehr lesen.

Dr. Karmele Llano Sanchez, eine spanische Tierärztin hat vor 12 Jahren eine Auffangstation für Makaken ins Leben gerufen, die bald aus allen Nähten platzte.

Käfig für Makaken mit environmental enrichment

Vor allem, weil zu den konfiszierten Makaken noch Plumploris aus dem illegalen Wildtierhandel kamen. Glücklicherweise hat sich 2008 die gemeinnützige britische Organisation IAR bereit erklärt Dr. Karmele Llano Sanchez und ihr Projekt, ihre Schützlinge und ihre Zukunftsvision zu unterstützen. So konnte sogar ein zweites Center auf Borneo eröffnet werden, wo sich die Mitarbeiter unter Karmeles Leitung für die Rettung der Orang-Utans einsetzten. Beide Center sind mit Tierärzten, Klinik, Tierställen, Auswilderungsgehegen und lokalen Mitarbeitern gut versorgt. Neben der tiermedizinischen Versorgung der Pfleglinge, der Rettung in Not geratener Affen und Halbaffen und der Wiederauswilderung derselben, versuchen die Mitarbeiter die Bevölkerung aufzuklären (aus dem Materialfundus stammen auch die nachfolgenden abfotografierten Bilder) und durch Forschung zum Schutz der Habitate und Wildtierpopulation beizutragen. Große Aufgaben und eine große Herausforderung. Denn gerade die Zerstörung des Lebensraums, lässt eine Wiederauswilderung immer schwieriger werden.

Yayasan IAR Center für Plumploris

und Makaken

IAR center auf Jawa

Ausstattung

Das ursprüngliche Center mit dem alles begann, umfasst heute neben einem Gästehaus, wo sowohl Mitarbeiter, als auch Volontäre wohnen, ein großes Gelände mit den Käfiganlagen für Makaken und Plumploris und jeweils auch Quarantänehäusern.

OP-Raum

Dann gibt es noch eine Tierklinik mit Operations- und Behandlungsraum, Labor, Büro und Unterbringungsmöglichkeiten für die Patienten. Außerdem Büroräume für die zahlreichen angestellten und einen Versammlungsraum. Insgesamt sind 60 Leute (meist Indonesier) dort angestellt, die sich mit Herz und Verstand um ihre Pfleglinge kümmern. Egal ob es sich um Büroarbeit, Tierpflege, medizinische Versorgung, PR-Arbeit, Gebäudereinigung, Sicherheit, Feldarbeit, Forschungsarbeit, oder Aufklärungsarbeit handelt: jeder ist ein wichtiges Glied im Team, welches gemeinsam für den Schutz und das Wohl der Tiere kämpft.

Was passiert, wenn ein Tier ankommt?

Die von der Regierung beschlagnahmten, oder von Leuten abgegebenen Tiere werden primär tiermedizinisch untersucht und versorgt.

Patientenanlage für Plumploris Ok
In der Quarantänestation

Danach beginnt eine 6-wöchige Quarantänezeit. Diese Zeit ist sehr wichtig, um die Tiere auf versteckte Krankheiten hin zu untersuchen. So wird zum Beispiel immer ein Tuberkulosetest durchgeführt.

Köfiganlagen für die ca. 170 Plumploris

Wenn die Quarantäne erfolgreich bestanden ist, dürfen die Tiere in große, naturnah ausgestaltete Gehege ziehen. In diesen wird ihr Verhalten beobachtet und danach entschieden, ob und wann das Tier ausgewildert werden kann.

Zurück zur Natur und lebenslang Käfig?

In der Nacht, also zur Aktivitätsphase der Plumploris, beobachten 3-5 Pfleger die Tiere bei Rotlicht, um sie nicht zu stören.

Rotlicht über jedem Plumplorikäfig

Jegliches Verhalten wird aufgezeichnet: Klettern, Futteraufnahme, Fellpflege, Futtersuche, … Am nächsten Morgen, werden die Ergebnisse vom medizinischem Team und einer Statistikerin ausgewertet. So können mögliche kranke Tiere entdeckt, oder das natürliche Verhalten bewertet werden. Je besser Letzteres ist, desto eher können die Auswilderungskandidaten in die Auswilderungsgehege umziehen.

Naturnahe Gehege

Diese sind natürlich bewachsen und nur halbseitig Überdacht.
Kranke, alte und körperlich eingeschränkte Tiere, können genauso wenig wieder in die Natur entlassen werden, wie welche, die kein natürliches Verhalten zeigen (zum Beispiel keine Scheu vor den Menschen haben). Der häufigste Grund für die nötige dauerhafte Käfighaltung sind fehlende Zähne und Knochenerkrankungen. Beides ein direkter Effekt der Haltung in menschlicher Obhut.

Aufklärung leicht verständlich

Erst werden den Plumploris die Zähne abgeknipst, damit sie nicht mehr beißen können. Danach haben sie keine Möglichkeit mehr ihre natürliche Nahrung zu sich zu nehmen,

Plumploris in Gefangenschaft bekommen meist nicht ihre natürliche Nahrung

wenn sie sie als Haustier überhaupt bekommen würden. Fehlernährung und Knochen- und Organerkrankungen sind die Folge.

 

Die Auswilderung am Beispiel Plumplori (Nycticebus)

Es wird auch versucht Makaken wieder auszuwildern. Aber das ist angesichts ihrer Intelligenz schwierig, weil sie vermutlich immer wieder die Nähe zum Menschen suchen werden: Futter ist dort leicht zu finden. Darum soll der Vorgang der Auswilderung nun am Beispiel der Plumploris beschrieben werden.

Wiederauswilderung leicht verständlich

Wohin?

Bevor Tiere in die Wildnis entlassen werden können, muss diese erstmal gefunden werden. Das wird aufgrund der Ausbreitung der Menschen immer schwieriger. Die Anforderungen an ein zukünftiges Habitat sind: es muss im natürlichen Herkunftsgebiet der Plumploris liegen, muss ausreichend und artgerechtes Futter bieten, darf nicht überbevölkert (mit Tieren gleicher Art) sein und muss vor allem Sicher vor dem Menschen sein.

Gefangener Plumplori aus dem illegalen Wildtierhandel

Wie?

Ist eine solche Gegend gefunden, wird dort ein Auswilderungsgehege gebaut. Auf einer großen Fläche wird ein Zaun um einen Waldabschnitt aufgebaut. Mindestens 2 Wochen lang können sich die Tiere an Klima, Futter, Umgebung und Umweltkeime anpassen. Dann wird eine natürliche Brücke (z.B. ein Ast) in das Gehege gelegt, über den jedes Tier selbständig in die Freiheit verschwinden kann.

Das Monitoring

Dieser Plumplori hat Glück gehabt: noch alle Zähne und nun bereit für die Auswilderung. Zur Überwachung des Auswilderungserfolges wird ihm ein Senderhalsband angelegt.

Nicht jedes Tier verschwindet auf Nimmerwiedersehen. 30 % der auszuwildernden Tiere bekommen ein Senderhalsband umgelegt, mit dessen Hilfe die Tiere geortet werden können.

Das Halsband darf nicht zu eng sitzen: ein fingerbreit
Die Enden des Verschluss werden verklebt. Zum Schutz des Fells wird Pappe dazwischen geklemmt.

3 Monate lang wird ihr Verhalten jede Nacht von einem Team aus mindestens 3 Feldforschern pro Tier aufgezeichnet. Für weitere 3 Monate findet die Beobachtung nur noch jeden 2. Tag statt. Dann hat sich das Verhalten stabilisiert und ein Territorium wurde gefunden. Bevor die Feldforscher die Tiere endgültig freigeben, werden sie noch ein letztes Mal gefangen und vom Halsband befreit.
Ihr seht also was für ein enormer Aufwand betrieben wird, um den gefangenen Wildtieren eine Möglichkeit der Freilassung zu geben. Aber das alles müsste natürlich nicht sein, wenn es den illegalen Wildtierhandel nicht gäbe und sich Menschen nicht an Haustieren wie Plumploris, Makaken, oder vielen anderen Wildtieren erfreuen müssten.

Meine Arbeit bei Yayasan IAR

Ich bin hier für drei Monate in das veterinärmedizinische Team integriert, bestehend aus drei indonesischen Tierärzten Wendi, Purbo und Imam, sowie dem Tierarzthelfer Firman.

Verletzung durch Anleinen: tägliche Behandlung nötig

Ich habe die Möglichkeit während der täglichen Behandlungen den Umgang mit Plumploris zu erlernen.

Blutentnahme bei einem Plumplori

Im Gegenzug beschäftige ich mich mit der Blutuntersuchung von Plumploris und lerne das Team darin ein. Dabei helfen mir die Erfahrungen, die ich zur Erstellung meiner Doktorarbeit gemacht habe. Wir behandeln und kastrieren auch einige Katzen und Hunde, je nach Bedarf und Zeit. Gerade hält uns eine herrenlose Welpe auf Trab, die von anderen Hunden gebissen wurde (mehr dazu auf fb und instagram). Ausserdem gibt es eine stationäre Katze, die durch alte Brüche im Beckenbereich nicht mehr vor Hunden fliehen konnte und ebenfalls gebissen wurde.

Blutzellen von Plumploris

Ich fühle mich in meinem Kollegium sehr wohl und finde es sehr spannend mit und unter locals zu leben zu arbeiten!