Startseite » Ecki trifft die Brückenechse Wahiti

Ecki trifft die Brückenechse Wahiti

Ecki besucht den Zoo von Wellington und ist ganz aufgeregt, weil es dort eine Brückenechse, in der Landessprache einen Tuatara gibt. Flugs macht er sich auf den Weg zu den Terrarien und bleibt fasziniert davor stehen und drückt sich die Nase an der Scheibe platt.

„Hey mate, how are you?“

Oh huch, du lebst ja! Ich dachte, du wärst aus Plastik! Entschuldige bitte.

„No worries, mate! Und ich dachte du wärst aus Stoff.“

Tja, das bin ich ja auch… Ich bin ein Perlsacktier. Ecki, das kleine Perlsackchamäleon.

„Hi there! By the way, ich bin Wahiti, mate.“

Hallo Wahiti, wie geht’s dir und warum sagst du immer “mate“?

„All right, „mate“ heißt bei uns Freund und du siehst mir wie einer aus. Außerdem sagen wir das so in Neuseeland, wir sind zu jedem gleich offen und nett. Nice to meet you, my friend! Schön dass ich endlich mit jemandem reden kann. Mir ist ein bisschen langweilig hier so alleine in diesem Terrarium, aber ich bin es ja nicht anders gewohnt…“

Wie meinst du das? Lebst du schon immer hier?

„Yeah, mate! Ich bin hier geboren. Vor 9 Jahren schlüpfte ich aus dem Ei. Um mich herum lagen feinsäuberlich aufgereiht die anderen Eier, mit meinen Geschwistern drin. Alles war ganz sauber, mollig warm und durch eine Glasscheibe konnte ich in leuchtende Menschenaugen sehen. Dennoch habe ich gleich verstanden, dass das nicht meine Eltern sind.“

Wer war es denn, der dir beim Schlüpfen zugesehen hat?

„Das waren Biologen, mein Freund. Sie beschützten alle Eier und umsorgten uns mit großer Sorgfalt. Du musst wissen, dass es von unserer Art nicht mehr viele Exemplare auf der Welt gibt. Wir sind aber nicht nur deshalb was ganz Besonderes. Wir sind sozusagen die einzigen echten Dinosaurier auf der Erde. Yeah man ohne Schmarrn, meine Art lebt existiert schon seit 200 Millionen Jahre auf diesem Erdball! Wir haben die anderen Dinosaurier überlebt!!!

Versteinerte Fossilien

Man nennt mich auch ein lebendes Fossil. Ich bin so alt wie die versteinerten Fossilien und doch lebe ich noch!“

Wahnsinn, aber bis du denn nicht ein Reptil, wie ich?

„Schon mate, aber du bis eine Echse und gehörst innerhalb der Reptilien zu der Ordnung der Schuppenkriechtiere, wie andere Echsen und die Schlangen auch. Dann gibt es noch die Ordnung der Krokodile und die der Schildkröten. Ich aber gehöre zu einer eigenen Ordnung.“

Aber was bist du denn?

„Ich bin eine Brückenechse.“

Die Besonderheiten der Brückenechsen sind auf der Showtafel um Zoo Wellington aufgeführt.

Also doch eine Echse.

„Yeah mate, vom Namen her schon… Aber eben nicht von der Abstammung. Wir beide sind nicht miteinander verwandt. Du bist näher mit einer Anakonda verwandt, als mit mir. Schon krass, mate, oder?“

Unvorstellbar! Und dabei sehen wir uns so ähnlich. Nur hast du so komische Höcker unter der Haut.

„Yeah mate, das sind Fettpolster, die ich als Energiereserven für die kalte Jahreszeit benötige. Hier auf Neuseeland ist es recht lange, recht kalt. Eigentlich nicht der Beste Lebensraum für wechselwarme Reptilien. Dennoch habe ich mich gut angepasst.“

Warum musst du denn dann hier in diesem Terrarium leben, wenn du so gut in der Natur zurecht kommst?

„Tja mate, du musst wissen, dass die Natur nicht mehr so aussieht, wie sie noch vor hunderten von Jahren ausgesehen hat. Auf Neuseeland gab es nie Ratten, Mäuse, Wiesel oder gar Katzen. Seit es aber all diese eier- und echsenfressenden Tiere hier gibt (die Siedler haben sie auf ihren Schiffen mitgebracht), sind die Brückenechsen fast ausgestorben. Wir können uns und unsere Eier nicht vor diesen Raubtieren schützen.

Ein tolles Erlebnis, als wir eine Brückenechse auf so einer Insel (Samos Island) in Freiheit beobachten konnten!

So züchten uns die Menschen in Gefangenschaft, um uns dann auf raubtierfreien Inseln wieder auszusetzen.
So retten sie unsere Art. Manche bleiben aber auch im Terrarium, um den Leuten als Anschauungsobjekt zu dienen. Das ist mein Job hier im Zoo von Wellington. Kinder und Erwachsene drücken sich die Nase an meiner Scheibe platt, um einen Blick auf „den Dinosaurier“ zu werfen. Ich muss also eigentlich nichts anderes machen, als einfach nur zu chillen. Selten bekomme ich so netten Besuch, wie dich, mit dem ich mich mal unterhalten kann. Die Menschen verstehen ja nichts, von unserer stummen Artikulation.“

Du armer, hast du gar niemanden zum reden.

Tuataras dürfen nicht als Haustiere gehalten werden. Im Zoo wird durch kontrollierte Aufzucht zur Arterhaltung beigetragen.

„Doch mate, der Pfleger richtet immer ein paar Worte an ich, wenn er kommt mich zu füttern, oder Wasser zu sprühen. Und hinter der Tür dort gibt es noch 20 weitere Brückenechsen. Darunter meine Eltern und Geschwister. Wenn ich alt genug bin, dann soll ich bestimmt auch zur Zucht verwendet werden. Noch ist aber nicht klar, ob ich ein Männchen, oder Weibchen bin. Also den Menschen ist das nicht klar und ich verrate nix. Das ist mein heimlicher Spaß!!“

Wann bist du denn alt genug?

„Ich bin erst 9 Jahre alt. In etwa 6 Jahren bin ich geschlechtsreif und ready to mate, mate. Mein Großvater, der hier auch lebte und der mir von seinem Leben in der Freiheit berichtet hat, wusste alles über uns, über die Geschichte seiner Heimat und über die Zukunft. Ich liebte es in seine dunklen, weisen Augen zu sehen und seiner alten Stimme zu lauschen, wenn er mir Geschichten erzählt hat. Geschichten, die nicht sterben dürfen. Für uns wird es aber immer schwieriger sie an unsere Nachkommen weiter zu geben. Wir sehen sie ja kaum noch. Entweder sie sitzen in anderen Terrarien, oder werden weit weg auf sichere Inseln gebracht.“

Erzähle mir was von deinem Großvater!

Erwachsene Brückenechse in Freiheit

„Der Vater meines Großvaters, also mein Urgroßvater, hat ihm einst die Geschichte erzählt, wie die Brückenechsen zu ihrem neuseeländischen Namen kamen. Tuatara. Das ist ein Wort aus der Sprache der Maori. Die Maori sind ein Urvolk, welches vor hunderten von Jahren Neuseeland besiedelte. Mit hölzernen Kanus landeten sie an den Stränden. Von dort aus erkundeten sie das neue Land. Sie fanden klare Bäche mit köstlichem Trinkwasser, sahen, dass die Meere voller Fisch waren, entdeckten die Tierwelt und benannten alle Lebewesen, Berge, Strände… Als sie uns das erste mal sahen und in unsere Augen blickten, erkannten sie die uralte Weisheit darin und gaben uns den Namen „alter Stachelrücken“ – Tuatara.
Mein Urgroßvater lebt uebrigens immer noch. Er ist mittlerweile 130 Jahre alt und wohnt in einem Terrarium in Invercargill. Wo das ist, musst du im Atlas nachschlagen. Ich war da noch nie…“

Du weißt ja wirklich viel!

„Yeah mate, ich bin wie alle Brückenechsen ein guter Beobachter und Zuhörer. Ich bekomme alles mit und freue mich über Neuigkeiten aus der Welt. Meistens sagen die Leute vor der Scheibe aber immer das Gleiche:

Brückenechsen haben, im Gegensatz zu den echten Echsen, keine Ohren.

<Schau, da ist er. Da unter dem Holz. Schau was für schöne Augen. Komm lass uns weiter gehen, der bewegt sich ja gar nicht. Ui doch, er hat seinen Kopf bewegt. Na los, wir gehen zu den Kiwis.> Blablabla… Bald ist das Interesse an uns abgeebbt und die Familien ziehen weiter, zu unterhaltsameren Tieren. Zu Kiwis, die sie nicht sehen, weil sie nachtaktiv sind… Menschen halt…“

Hier gibt es Kiwis? Ui, da muss ich auch hin!

„Fang du nicht auch noch an, Ecki!!“

War ein Scherz! Aber ehrlich, wir müssen los, der Zoo schließt ja um 5 Uhr seine Tore…

„Schade, mate, aber it was nice to meet you!“

Likewise, Wahiti und ich wünsche dir ein schönes langes und fruchtbares Leben!