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Borneo: Vielfalt unter Tier und Mensch

Es war schon immer mein Traum nach Borneo zu kommen. Wild, ursprünglich, abenteuerlich und voller Leben in den uralten Dschungeln; so stellte ich es mir vor. Und mittlerweile wird die Zeit knapp, da die Urwälder den Menschen und ihren Palmölplantagen weichen müssen.
Und wie es der glückliche Zufall will, hat mich mein Trip for animals nach Borneo geführt. Eine Woche hatte ich fuer die Beantragung meines social work Visums in der indonesischen Auslandsvertretung in Kuching geplant. So konnte ich zum ersten Mal die Luft dieser mir unbekannten Insel schnuppern. Keiner meiner Bekannten und Freunde war je auf Borneo und somit habe ich überhaupt keine Ahnung gehabt, was mich erwartet und ich war sehr positiv überrascht. Borneo stellte sich als sehr ordentlich, zivilisiert und organisiert dar. Ich kann aber nur von Kuching und Umgebung berichten. Borneo ist aufgeteilt auf einen malaiischen Teil, Indonesien und einen kleinen Teil Brunei (eigener Staat).

Die Vorbereitung

Da wir deutschen Staatsbürger, die als Touristen nach Malaysia einreisen kein Visum vorher beantragen müssen, ist also die Einreise sehr unkompliziert. Auch bezüglich Gesundheitsvorsorge braucht man sich keine extra Gedanken machen. Die Insel gilt nicht als Malariarisikogebiet. Allerdings können Blutsauger auch noch andere Krankheiten übertragen, weswegen ein Mückenrepellents einzupacken ist. Ich habe wirklich gute Erfahrung mit nobite! Wo die immer feuchte Haut viele anderen Mittel ungenügend wirksam macht, behält nobite seine hervorragende abschreckende Wirkung auf die Lästlinge. Zudem pappt es nicht und hat keinen unangenehmen Geruch! Da meine Flasche bald aufgebraucht ist, habe ich mir schon neues bestellt, welches ich mir von einer Freundin, die mich bald besucht, mitbringen lasse.

Unterkunft in Kuching

Kuching bietet enorm viele Unterkunftsmöglichkeiten.

Hotels an der Waterfront von Kuching

Alles dominierend sind riesige Hotelhochhäuser mit sicher tollem Blick auf die Stadt und die Umgebung. Aber auch fuer die lowbudget Reisenden ist was dabei. Wenn es auch nicht so billig ist, wie anderswo. Über Tripadvisor fand ich ein bezahlbares Hostel in Kuching mit guten Bewertungen und buchte mich erstmal fuer 2 Nächte ein. Le Nomade ist ein sehr sympathisches Hostel mit Wohnzimmerfeeling im Gemeinschaftsbereich, netten Mitarbeitern und sogar einer kleinen Terrasse. Die zentraler Lage machte es fuer mich letztlich zur idealen Unterkunft fuer die gesamte Woche.

Der Flug nach Borneo

Von Kuala Lumpur aus fliegt man 1,5 h nach Kuching. Mit Air Asia gibt es keinen inkludierten Service, was man bei der Mitnahme von Verpflegung bedenken sollte (Wasser im Handgepäck ist übrigens kein Problem). Ich konnte einen Fensterplatz ergattern und so schon mal von oben die auftauchende Küstenlinien, die durch dichtes Grün mäandernden Flüsse und die dschungelbedeckten Berge bewundern. Leider war die dunkelgrüne Decke immer wieder durchbrochen von schneckenhausartig abgetragenen Hügeln, auf denen Palmölplantagen angebaut wurden.

Unterwegs in Kuching

Mit grab, der Taxiapp kann man sich ein günstiges Taxi vom Flughafen in die Stadt bestellen. Auf Kuchings Straßen geht es zivilisiert zu. Es gibt fast nur sehr kleine, leise Autos, häufig der lokalen Marke Viva.

Viva: sympathische, kleine malaiische Autos

Auch das Auto, welches ich mir mit 2 Niederländerinnen fuer einen Tag gemietet habe, war von dieser Marke und sehr bequem zu fahren. Ansonsten gibt es natürlich noch die lokalen Taxis und die öffentlichen Busse. Letztere sind sehr günstig und das Netz ist, wie bei uns aufgebaut: es gibt nummerierte Linien, die ihre Strecke abfahren, auf denen es Bushaltestellen gibt. Diese sind erkennbar, durch Dach und Bank, haben aber kein Schild welches anzeigt, welche Linie hier entlang fährt.

Kuching

Kuching = Katze

Kuching heißt in der Bahasa Katze und das erkennt man an den zahlreichen Souvenirs, Statuen und an dem Katzenmuseum. Das stimmungsvolle Städtchen ist an einem Fluss gelegen mit Bergen in Sichtweite.

Das Wahrzeichen von Kuching

Das Ufer mit seiner pulsierenden Promenade wird Waterfront genannt und von hohen Hotels und dem staatlichen Gebäude DUN Sarawak mit seiner außergewöhnlichen Architektur dominiert. Am Abend schlendern Touristen und vor allem Einheimische auf der Promenade und über die Brücke, genießen den Sonnenuntergang hinter den Bergen und sehen den Kindern zu, wie sie mit Seifenblasen spielen, oder hören Lifemusikern zu.

Stimmung an der Waterfront

Die Stimmung zum Sonnenuntergang mit dem roten Himmel, der sich im Fluss spiegelt, den teilweise heranziehenden Wolkenbergen, in denen Blitze zucken, der Musik von Solokünstlern, die über den Fluss schallt, die Rufe des Muezzins, die sich dazwischen mischen, die schlendernden freundlichen Menschen und die Brise, die einem die Hitze des Tages aus dem Haar bläst ist etwas ganz besonderes.

Das chinesische Viertel
Ruhige Seitenstraße
Hauptstraße an der Waterfront

Im Straßengewirr hinter der Waterfront findet man westliche Bars und chinesische Restaurants, neben indischen Garküchen und Geschäften mit arabischen Köstlichkeiten. Die verschiedenen Kulturen vermischen sich zu einem bunten Durcheinander.

Empfehlung für Kuching

Schöne Graffitis weisen auf Borneos einzigartige Tierwelt hin

In Kuching selber habe ich nicht viel besichtigt, sondern hauptsächlich die Stimmung genossen. Als Empfehlung für eher westliches Essen kann ich den Barber empfehlen. Wunderbar draußen sitzen kann man in der drunk monkey bar.

Laksa sarawak

Auf foodmarkets solltet ihr unbedingt Laksa sarawak probieren. Veganer und Vegetarier kommen in dem süßen Bistro indah auf ihre Kosten. Eine Traditionelle Massage empfehle ich all jenen, die so etwas gerne mögen.

Die Umgebung von Kuching

Es gibt so viele Möglichkeiten rund um Kuching, dass man innerhalb von einer Woche unmöglich alles machen kann. Noch dazu ging mir ja ein Tag durch den Visumsantrag verloren. Aber die Aktivitäten, die ich unternommen habe, waren einzigartig.

Bako Nationalpark

Mangroven im Bako Nationalpark

Der Bako Nationalpark liegt nicht weit nördlich von Kuching und die Verbindung dorthin ist gut organisiert. So kann man ihn mit einem Tagesausflug besuchen. Allerdings würde ich eine Übernachtung im Nationalpark empfehlen, weil die schönste Zeit die Nachmittags- und Abendstunden sind, in denen die Tagesbesucher nicht mehr da sind. Dazu muss man sich aber frühzeitig hier ein Bett reservieren (ca. 3 Tage im Voraus, da begrenzte Anzahl an Betten). Ich habe im 4er dorm des Forest Hostels geschlafen und es war völlig OK. Unter Tags, denkt man sich zwar, dass man diese Luft nicht aushalten können wird, aber wenn es Abends und Nachts kühler wird, dann ist es angenehmer. Bedenken muss man bei der Mitnahme seines Gepäcks, dass es weder Decke noch Handtücher gibt.

Zum und im Bako Nationalpark

Von Kuching kann man sich entweder ein Taxi zum Bootsanleger nehmen, oder man fährt günstig mit dem öffentlichen Bus Nummer 1. Am Bootsanleger findet die Registrierung und Bezahlung statt und dann geht es mit dem Boot zum Nationalpark. Die Fahrt führt an Mangrovenwaeldern und Klippen vorbei und ist selbst schon ein Highlight. Im Nationalpark wird ganz in der Nähe des Headquarters angelegt, wo man sich nochmal registrieren lassen muss. Hier gibt es auch eine Kantine, einen Raum, wo man sein Gepäck lagern kann, Toiletten und öffentliche Duschen und, ganz wichtig, einen Wanderstreckenplan, wo man sich schon mal seine ersten Touren raussuchen kann.

Wanderwege durch den Dschungel

Nachdem man seinen Namen und die geplante Tour in ein Buch eingetragen hat, wandert man einfach gemütlich durch die tolle Natur des Nationalparks über Wurzeln, Steine, über Stege, durch Matsch und Sand. Festes Schuhwerk ist dazu nötig, viel Wasser, Sonnenschutz und gute Kondition. Ich habe mir am Headquarter glücklicherweise ein Boot zum Kecil Strand (Wanderweg. 4) bestellt, damit ich nur eine Strecke wandern muss und auf der Rückfahrt noch an der bizarren Felsformation vorbeigeschippert werde.

Bootsfahrt innerhalb des Bako Nationalparks

Diesen Luxus habe ich mir dann mit 3 anderen teilen können, die auch keine Lust mehr auf den Rückweg hatten und gottfroh waren, sich mit mir in das Boot setzen zu können. Man darf die Hitze und die feuchte Luft nicht unterschätzen! Sehr zu empfehlen sind nach anstrengenden Kilometern die Daily Shelters beim Headquarter. Diese Pavillons stehen so günstig, dass man in ihnen den Wind des Meeres genießen und gleichzeitig Nasenaffen und andere Wildtiere beobachten kann.

Nasenaffen sind endemisch auf Borneo

Die Nasenaffen lieben die Blüten der Bäume rund um das Headquarter, weswegen sich hier häufig diese drolligen und auf Borneo einzigartigen Tiere beobachten lassen. Angesichts all der schönen Strände, die man auf seinen Wanderungen zu Gesicht bekommt, hat man Lust baden zu gehen. Aber ihr seid hier in einem Nationalpark, darum respektiert, dass hier einmal die Natur Vorrang hat und nicht durch den Menschen gestört werden soll. Außerdem lauern unter Umständen Krokodile im Wasser. Wenn man über Nacht bleibt, dann sollte man sich die Nachttour nicht entgehen lassen. Ich glaube es wäre auch interessant gewesen mit einem Guide tagsüber wandern zu gehen, aber ich habe es nicht gemacht. Ich habe aber auf meinen Wanderungen auch kaum Tiere gesichtet. Ob das nun mit geschultem Auge anders gewesen wäre weiß ich nicht, aber ich habe den Aufenthalt im Nationalpark dennoch sehr genossen und fand es unbeschreiblich beeindruckend in Mitten dieser grünen Vielfalt zu sein. Also: sehr zu empfehlen!

Semmenggoh wildlife center

Fütterungsplatz

Im Süden Kuchings kann man mit dem öffentlichen Bus ein Auswilderungsgelände fuer Orang-Utans besuchen. Ich war mit dem Auto dort und konnte somit vom Eingang aus zu dem Parkplatz in der Nähe des Fütterungsplatzes fahren (ist ein gutes Stück). In diesem geschützten Wald, leben beschlagnahmte und ausgewilderte Affen in Freiheit. Da der Wald zu begrenzt fuer die 30 dort lebenden Orang-Utans und andere Affen ist, wird 2x täglich an einer bestimmten Stelle zugefüttert. Zu diesen Fütterungen kann man gehen und wenn man Glück hat, dann kommen die Tiere zum Fressen, oder halt nicht. Die Besucher sollen sich ruhig verhalten (was offenbar fuer Menschen unmöglich ist) und können von einer Tribünen aus auf den Fütterungsplatz gucken. Während unseres Besuches haben sich keine Affen blicken lassen, was ich das Beste am ganzen Besuch fand, da es zeig, dass die Tiere frei wählen können. Hier werden die Orang-Utans nicht auf dem Silbertablett serviert! Nicht schön fand ich das Krokodilgehege!

Fairy Cave

Fairy cave

Mit dem Auto ging es dann durch die wunderschöne Landschaft und ordentlichen Dörfchen zur Fairy Cave. Ich hatte zwar darüber gelesen, aber dachte mir, dass eine Höhle nicht unbedingt auf der Prioritätenliste von mir steht. Da ich aber die Gelegenheit bekam mit zwei Mädels und ihrem Auto dorthin zu fahren, habe ich sie Gott sei Dank doch besichtigt. Ein absoluter Wahnsinn, ein MUSS und ein einzigartiges Erlebnis in diese riesige, dicht bewachsene Höhle zu steigen, in der man wirklich das Gefühl hat einen Feenort zu betreten!

Matang Wildlife Center

Dieser Orang-utan wurde vermutlich als Baby von seiner Mutter geraubt und als Haustier verkauft

Im Matang Wildlife Center werden konfiszierte Tiere gepflegt und auf die Auswilderung vorbereitet. Aber es gibt auch viele Tiere, die aus unterschiedlichen Gründen dauerhaft bleiben müssen.

Käfige im Matang wildlife center

Das Center erinnert mit seinen Gehegen und Käfigen an einen Zoo. Leider ohne jegliche Erklärungen. Uns hat die Unterbringung und die stereotypen Bewegungen der Tiere abgeschreckt. Jetzt weiß ich, dass das Center, wie die meisten conservation center in Asien fast keine finanzielle Unterstützung von der Regierung bekommt und vor kurzem fast vor dem Aus stand.

Orang-utangehege

Durch Voluntärprogramme und den Eintritt kann sich das Center gerade so über Wasser halten. Sie machen dort sicher gute und wichtige Arbeit, aber leider ist, das was der Besucher zu Gesicht bekommt genau das, was man von einem asiatischen Zoo erwartet. Ohne jegliche Erklärung sitzen da riesige Nashornvögel in kleinen, allseitig einsehbaren Käfigen, ohne Versteckmöglichkeit. Hier hätten wir uns definitiv was anderes gewünscht! Neben den Käfigen und Gehegen kann man aber schöne Spaziergänge durch das bewaldete Gelände unternehmen, auf dem die Tiere auch ausgewildert werden.

Damai Beach / Santupong

Damai beach

Da ich unbedingt mal wieder ins Meer und zum Strand wollte, bin ich mit einem vom Hostel geliehenen Schrotthaufen (war mal ein Roller) zum Damai Beach gefahren. Der Weg dorthin führte durch die Vororte Kuchings, durch ausladende Alleen, über breite Flüsse mit wilden Ufern und an dschungelbewachsenen Bergen vorbei. Besonders beeindruckt hat mich der Berg im Santupong Nationalpark, den man auch mit guter Kondition besteigen kann.

Santupong

Von weitem sieht man dicht bewachsene Baumriesen in Mitten von tiefem Grün hervorragen und auf der Spitze des Berges sitzt eine Wolkenfahne. Santupong ist ein kleines sympathisches, sehr authentisches Dörfchen, welches man nur erreicht, wenn man einen Abstecher von der Hauptstraße macht. Nach Damai geht es aber auf der Hauptstraße. Diese endet beim cultural village, einer Art open air Museum fuer Kultur. Ich war dort nicht, sondern bin durch das Resort zum Strand gegangen. Der Strand ist recht schön und bis auf die spaziergehenden Museumsbesucher sehr einsam. Das Meer allerdings ist durch seine Natürlichkeit weniger zum Baden geeignet. Es ist durch die Urwaldflüsse und nahgelegenen Mangroven bräunlich trüb und es können Quallen und Katzenwelse auf einen warten. Zusammen mit der wenig erfrischenden Temperatur war es fuer mich weniger der Badetraum, den ich mir erhofft hatte. Im Schatten auf dem Sand mit einem Buch war es aber durchaus ein gelungener Strandtag.

Ja und damit war meine Zeit auch schon wieder um, aber Borneo hat mich definitiv nicht zum letzten Mal gesehen.