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Tripforanimals in Singapur

Zu Besuch bei ACRES (Animal Concerns Research and Education Society)

Nachdem mein Urlaub mit meinem Freund beendet ist und ich ihn wieder in Singapur zum Flughafen gebracht habe, geht mein Trip for animals weiter. Und so planten Ecki und ich unseren Aufenthalt in Singapur zu verlängern, um ACRES zu besuchen. Ich bekam den Kontakt zu dieser Wildtierauffangstation, durch meine Kollegin in Indonesien und Anbu, die stellvertretende Vorsitzende der Auffangstation, lud uns zu einer Führung ein. Und davon möchte ich euch heute berichten.

Kurzes zum Team

Insgesamt arbeiten hier 21 Festangestellte und täglich 7 Volontäre für, bei und mit den Tieren. Anbu ist indischer Herkunft, Biologin und seit 12 Jahren bei ACRES. Sie lebt auf dem Gelände und ist sehr verbunden mit dieser Station.

Der Vorgeschmack! Ecki war plötzlich weg, aber da habe ich ihn zwischen den Skulpturen gesichtet. Findet ihr ihn?

Sie erzählte uns von dem Aufbau, den Problemen, den Zielen und Projekten von ACRES und führte uns während unseres Gespräches durch das Schulungszentrum, die Gehege, die Quarantänestation, den Volontärbereich und den Fan-Shop.

Ecki war dabei außer Rand und Band und wollte einfach nicht bei mir bleiben. Immer wieder kletterte er über Gehegebegrenzungen, auf Schilder, spähte in Käfige und fiel fast in ein Bottich mit einer Geierschildkröte!!!

Anbu zeigt uns den Fan-Shop

Der Dschungel in der Stadt

Was bringt eine Wildtierauffangstation in einer Stadt wie Singapur?, denkt man. Aber dabei wird vergessen, dass Singapur ja auch ein Land ist, mit wenig Fläche zwar, aber ein paar geschützten natürlichen Naturvorkommen. Die überwiegende Oberfläche ist selbstverständlich von der Stadt eingenommen und dort gibt es nur künstlich angelegte Natur. Diese Parks sind aber geschickt durch grüne Korridore miteinander verbunden und bieten somit auch den Tieren Migrationsmöglichkeiten. Anbu meinte, dass Anwohner, direkt neben den grünen Korridoren, die meisten Beobachtungen von Wildtieren machen können, dass es aber auch in anderen Bereichen der Stadt immer wieder zu einem Aufeinandertreffen zwischen Zwei-/Vier- und Nullbeinern kommt.

Die Sichtung eines Wildtieres ist nicht gleich ein Notfall!

Manche Menschen können heutzutage leider nicht mehr mit der Sichtung von Wildtieren umgehen und verständigen sofort die Tierrettungen. Gleiches gilt übrigens auch für Deutschland. Während meiner Arbeit in einer Klinik für Vögel, gingen immer wieder Notrufe ein, wenn flügge Jungvögel auf dem Boden gesichtet wurden, die nicht wegflogen. Oder Anrufe von aufgefundenen Ringelnattern im Garten, weckten einen mitten in der Nacht. Völlig natürliches Verhalten von heimischen Wildtieren wird nicht mehr erkannt, weil der Bezug zur Natur immer mehr und mehr verschwindet. ACRES bietet eine Wildtiernotrufnummer, unter der die Einwohner Hilfe bekommen.

Die Arbeit geht nie aus

Da ACRES ist die einzige in Singapur existierende Wildtierauffangstation ist, gehen dementsprechend viele Notrufe ein. Mit ca. 800 Anrufen müssen sich die Mitarbeiter monatlich befassen. Aber „nur“ bei etwa der Hälfte handelt es sich um wirkliche Notfälle (Wildtier in menschlichen Behausungen, Problemtier, verletztes Tier, ausgesetztes nicht heimisches Haustier,…), zu denen das Team ausrücken muss. Ansonsten reicht häufig eine Beratung, Aufklärung und Beruhigung. 24 h pro Tag gibt es 2 Leute in Bereitschaft, die dann auch auf dem Gelände der Station schlafen, um schnell in ihrem mit Equipment beladenem Transporter zu sein.

stationäre Tiere

Ecki beobachtet einige Spornschildkröten auf ihrem Weg durch ihr Gehege. Eigentlich sollten sie mehr Platz bekommen (dazu hat ACRES extra mehr Fläche angemietet). Aber der Vorpächter hat giftigen Abfall dort abgeladen und nun ist das Gelände gesperrt.
Leguane gehören zu den häufig, aufgrund ihrer Größe, ausgesetzten Reptilien. Hier einer beim Sonnenbaden in seinem Aussengehege. Spenden werden dringend gebraucht, um allen Leguanen einen Aussenkäfig zu bauen.

Die meisten stationären Tiere hier in ACRES sind Reptilien, die als Haustiere gehalten wurden. Die Haltung exotischer Haustiere ist in Singapur verboten, was nicht viele Menschen davon abhält, sie sich doch zuzulegen. Wenn sie aber dann langweilig, groß, gefährlich, oder zu teuer werden, dann setzen die ehemaligen Halter sie einfach aus. Zu groß ist die Angst, bei einer Abgabe in Tierheimen, als illegaler Halter entlarvt zu werden.

Ein ausgesetzter Tigerpython lebt nun auch in ACRES. Er wird wohl für immer bleiben.

 

Reptilienhaltung – ein Problem?

Die speziellen Anforderungen eine jeden Art an Futter und Klima müssen bekannt sein, um dem Reptil in seinem Terrarium alles adäquat bieten zu können.

Leider ist das Problem mit der Reptilienhaltung, dass die Menschen die speziellen Bedürfnisse, dieser fremdartigen Tiere nicht kennen und befriedigen, was zu chronischen Krankheiten und deformierter Wuchsform führt. Auch haben die meisten Käufer keine Ahnung von der Lebensdauer und der Endgröße der Tiere, was die Häufigkeit ausgesetzter Reptilien zusätzlich erklärt. Auch in Deutschland sehen wir diese Probleme, obwohl es auf dem Markt alles gibt, um die gängigen Reptilienspezies bedarfsgerecht zu halten.

Papua-Weichschildkröten, werden wegen ihres niedlichen Aussehens wild gefangen und illegal gehandelt. Hoffentlich kann dieses Tier in die Freiheit entlassen werden!

Wiederauswilderung im Heimatland

Strahlenschildkröte in der Quarantänestation. Hochgradige Panzerdeformation (Pyramidenwachstum).
Im Vergleich: so sollte der Panzer eigentlich aussehen. Auch dieses Tier durchläuft die 3-monatige Quarantäne.

Da das Leben in der Freiheit des Herkunftlandes für ACRES Option Nummer 1 ist, versucht das Team dort Organisationen zu finden, die die Tiere auswildern können. Einige Strahlenschildkröten aus Indien werden so hoffentlich bald wieder durch die Wildnis Indiens stapfen!

 

Das liebe Geld

Von der Regierung wird das Team finanziell nicht unterstützt. Das Geld für Gehalt, Instandhaltung, Ausbau, Miete und Versorgung der Tiere kommt einzig aus Spenden der Bevölkerung, durch Sammelaktionen auf der Straße, Fundraisingaktionen und durch Einnahmen von Führungen, Schulungen und Vorträgen.

Ecki und ich haben hier unser 5. unterstützenswertes Projekt gefunden und somit geht ein Teil des Geldes der Eckiverkäufe an ACRES.

Schulungen finden entweder im Schulungszentrum auf dem Gelände statt, oder in der Schule.
Während Führungen bekommt man anschaulich Tiermissbrauch aufgezeigt. Hier hat sich Ecki von mir in einen Vogelkäfig sperren lassen: selbst für ein Perlsackchamäleon zu klein! Wie soll das erst für Vögel sein?!

Mithilfe bei ACRES

Volontäre beim säubern der Gehegeanlage.

Ab 14 Jahre kann man sich bei ACRES freiwillig betätigen. Einige Volontäre kommen direkt aus Singapur, andere aus dem Ausland. Es gibt Volontärzimmer (4er Schlafräume) in denen man für S$ 30 (19 €) pro Nacht direkt auf dem Gelände unterkommen kann. Dazu gibt es 3 vegetarische Gerichte täglich. Auch Studenten nutzen die Möglichkeit bei ACRES ein Praktikum zu absolvieren. Durch die Betreuung von Masterarbeiten initiiert und beteiligt sich ACRES an Forschungsarbeiten. Zum Beispiel habe ich einen Makaken dort gesehen, der bald ausgewildert werden soll. Er wurde von Menschen gefüttert, suchte darum deren Nähe und wurde zur Gefahr.

Ein Fall – Problemaffe

In Singapur müssen die Behörden auf jeden eingehenden Anruf reagieren und da sich jemand über den Affen beschwert hatte, wurde er eingefangen. Nach einem Anruf bei der zuständigen Behörde erfuhr ACRES, dass dem Affen das „übliche“ Prozedere widerfahren würde (was Euthanasie bedeutet).

Makake in Auffangstation, der auf seine Wiederauswilderung wartet

Somit war klar, dass das Tier in der Auffangstation verbleiben und dort, durch das Angebot von natürlichem Futter, möglichst wenig Menschenkontakt, negative Konditionierung auf Plastiktüten… auf ein Leben in der Natur trainiert werden sollte. Nun sind alle Genehmigungen da, ihn in ein Naturreservat Singapurs auszuwildern. Davor bekommt er aber ein Senderhalsband umgelegt, um seine Bewegungen und sein natürliches Verhalten beobachten zu können. Diese Feldbeobachtung wird dann zum Beispiel von Masterstudenten durchgeführt.

Hoffentlich hat er gelernt den Menschen fern zu bleiben, die mit ihrem „guten Willen“ oft alles nur noch schlimmer machen!

Was sagt uns diese Geschichte: NIEMALS WILDTIERE (Tauben, Enten sind Beispiele aus Europa) FÜTTERN!!!

 

Da Ecki und ich auch dieses Projekt unterstützenswert finden, wollen wir ACRES mit einem Teil des Ecki-Gelds supporten!